Aus der Reihe “Allgemeine Betrachtungen”
Steter Tropfen höhlt den Stein – und am Ende bleibt immer etwas hängen. Selbst die steilste These wird von irgendjemandem für bare Münze genommen, wenn sie nur oft genug wiederholt wird. Psychologen nennen das den Illusorischen Wahrheitseffekt. Wenn soziale Medien diese Botschaften dann noch unreflektiert vervielfältigen, gerät die Wahrnehmung schnell ins Schwanken. Nur weil ein Thema meine Timeline flutet, ist es noch lange nicht wahr oder relevant.
Auch in der Politik gehört dieses rhetorische Werkzeug leider zum Alltag. Da werden komplexe Debatten – ob über den Nutzen flächendeckender Videoüberwachung oder die Folgen von Migrationsbewegungen – durch ständige Wiederholung vereinfacht, zugespitzt und als alternativlos dargestellt. Oft geht es dabei nicht um faktenbasierte Aufklärung, sondern um gezieltes Framing, um Stimmungen zu bedienen.
Freiwillige Selbstverpflichtungen der Plattformen bleiben meist ein zahnloser Tiger. Der Verlust an sachlicher Debattenkultur wird billigend in Kauf genommen, denn das Kalkül geht auf: Wiederholung schafft zwar keine Wahrheit, aber Gewohnheit.
Schon deshalb lohnt es sich, Distanz zu wahren. Die Algorithmen der Suchmaschinen und Feeds trüben den Blick für das Wesentliche schneller, als man denkt – niemand ist davor völlig immun. Wer zu oft bei bestimmten Beiträgen hängen bleibt, bekommt schleichend weniger von dem mit, was außerhalb der eigenen Blase passiert.
Die schiere Häufigkeit einer Meldung sagt rein gar nichts über ihren Wahrheitsgehalt oder ihre tatsächliche Bedeutung aus.