Aus der Reihe “Allgemeine Betrachtungen”
Über den Wolken in der Woken Gesellschaft ist kein Platz für Queerulanten und Querdenker (im Orginal-Sinn). Das ist richtig, traurig und schlimm. Wer sich entgegen dem Mainstream positioniert, spürt das mitunter rasch.
Die Sorge vor Ausgrenzung, Reputationsschäden oder heftigen Anfeindungen ist nicht unbegründet. Unbedachte Äußerungen in den sozialen Medien können einen noch Jahre später einholen. Was früher im privaten Kreis verpuffte, bleibt heute dauerhaft dokumentiert.
Das alles ist auch die Folge eines übersteigerten Individualismus: Wenn das eigene Ego und die persönliche Befindlichkeit über das Gemeinwohl gestellt werden, geht die Empathie für Andersdenkende verloren. Es entsteht eine Kultur, in der die eigene Haltung absolut gesetzt wird und kaum noch Raum für Kompromisse bleibt. Man feiert die Freiheit des Einzelnen – erwartet aber gleichzeitig, dass sich alle den Regeln der eigenen Gruppe unterwerfen.
Im Netz führt Empörung zudem oft dazu, dass Vorwürfe ungeprüft übernommen werden und die Verurteilung vor dem eigentlichen Dialog stattfindet.
Und dennoch: Das Recht auf freie Meinungsäußerung gilt weiterhin. Wer bereit ist, Gegenwind auszuhalten und seine Argumente bedacht zu formulieren, kann seine Haltung nach wie vor wirksam vertreten – auch wenn das Terrain schwieriger geworden ist.